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Schwarzes Gold

Trüffelmarkt
Schwarzer Trüffel

 

Wer zwischen Dezember und März in südfranzösischen Dörfern unterwegs ist, stößt dort manchmal auf Einheimische, die kleine, mit einem Tuch abgedeckte Körbe unter großer Geheimnistuerei herumzeigen. Nach einigem Verhandeln, verbunden mit ausgiebigem Schnüffeln an der angebotenen Ware, wechselt der Inhalt des Korbes dann den Besitzer. Immer gegen Barzahlung.

 

Keine Sorge, es handelt sich hier nicht um illegale Geschäfte. Nein, die Trüffelsaison ist in vollem Gange!

 

Wer sich das einmal anschauen möchte, hat von Toulouse aus mehrere Möglichkeiten: in Caussade, im Departement Tarn-et-Garonne, oder in der Region um Cahors, dem Quercy, oder nahe Carcassonne, im Cabardés. Hier herrschen ideale Bedingungen für den begehrten Pilz: trockene, karge Kalksteinböden, von Kork- und Steineichen bewachsen.

 

Traditionell werden ja Trüffelschweine zur Pilzjagd eingesetzt. Viele Trüffeljäger arbeiten aber heute lieber mit Hunden. Denn das Schwein liebt das teure schwarze Gold mindestens ebenso sehr wie sein Besitzer. Und der hätte größte Mühe, ein ausgewachsenes Trüffelschwein von über 100 kg Lebendgewicht davon abzuhalten, die eben gefundene Beute einfach aufzufressen! Hunde dagegen sind gerne bereit, als Ersatz ein Leckerli zu akzeptieren, oder geben sich sogar mit einem bloßen Lob zufrieden.

 

Sehr zu empfehlen ist ein Besuch auf einem der zahlreichen Trüffelfeste. Zum Beispiel in Moussoulens, in der Nähe von Carcassonne, wo das ganze Dorf am letzten Wochenende im Januar den Trüffel feiert.

 

Auf dem Boule-Platz zeigen Trüffelhunde ihr Können und suchen nach extra vergrabenen Pilzen. Die vielen Besucher und die aus allen Richtungen auf sie einströmenden Trüffelgerüche verwirren aber selbst die Besten unter ihnen. Den Zieltrüffel finden sie manchmal nur dank der tatkräftigen Hilfe ihres Herrchens, das an der richtigen Stelle ein wenig im Sand scharrt. Vor lauter Freude über die erfolgreiche Suche markiert manch ein Trüffelhund die Fundstelle erstmal ausgiebig. Das kommt dans la nature natürlich niemals vor -  jedenfalls, wenn man der Aussage des Besitzers glauben darf.

 

Mittags kann man in einem der zahlreichen Zelte schon einmal Trüffelgerichte essen und dazu Weine der Region verkosten. Nebenan wird in einem Alambiq Schnaps gebrannt, der ebenfalls probiert werden kann.

 

Die Hauptattraktion ist aber der eigentliche Markt: die Verkäufer präsentieren am frühen Nachmittag ihre Trüffel einem Komitee von Experten, die jeden einzelnen Pilz einer strengen Prüfung unterziehen. Minderwertige Exemplare aus China oder Sommertrüffel aus Italien haben so keine Chance!

 

Danach werden die Trüffel auf langen Tischen ausgelegt, verpackt in versiegelten Leinensäckchen, die erst unmittelbar vor Verkaufsbeginn geöffnet werden.  Punkt 14.30 Uhr eröffnet Monsieur oder Madame Le Maire mit einem Schuss aus dem Luftgewehr den Markt, die Absperrung fällt. Und innerhalb einer Viertelstunde wechseln Pilze im Wert von 20.000 € den Besitzer.

 

Wer Trüffel kaufen will, sollte sich schon rechtzeitig einen strategisch günstig gelegenen Platz in der Menge suchen. Wer zu weit hinten steht, geht leer aus.

 

Am Abend bleibt dann nur noch: Freunde einladen, Rührei oder Nudeln mit Trüffel servieren. Dazu ein Glas Wein aus der Region -  Guten Appetit!

 

 

Weitere Informationen:

Trüffelfest Moussoulens 26.01.2020 http://ampelofolies.over-blog.com/

Die Region hat auch an Winterwochenenden mit Schmuddelwetter einiges zu bieten:

 

Niaux und Gargaszwei Grotten mit beeindruckenden Felsmalereien, jeweils etwa 1 h Autofahrt von Toulouse entfernt

oder

das Musée Aeroscopia in Blagnac, mit Exponaten aus 100 Jahren Toulouser Luftfahrtgeschichte.