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AirBnB - Frankreichs Städte wehren sich

In vielen französischen Städten haben es Mieter schwer, bezahlbare Wohnungen zu finden. Ein Grund: immer mehr Wohnungen werden über Plattformen wie AirBnB als Ferienwohnung an Touristen vermietet. 

 

Auch Hotels kämpfen gegen diese Art des Tourismus. Denn sie müssen sich an zahlreiche kostspielige Vorschriften halten - beim Brandschutz oder dem barrierefreiem Zugang für Behinderte etwa. Für Wohnungen, die über AirBnB angeboten werden, gelten diese Vorschriften jedoch nicht - ein klarer Wettbewerbsvorteil für Privatvermieter.

 

Städte wie Paris und Bordeaux, aber auch viele andere mit mehr als 200.000 Einwohnern, verschärfen seit einiger Zeit ihre Vorschriften. Es ist heute oft nur noch unter strengen Auflagen möglich, eine Wohnung an Touristen zu vermieten.

 

Am Beispiel von Bordeaux will ich dies näher erläutern:

Beispiel Bordeaux

Vermietung des Erstwohnsitzes bis zu 120 Tage/Jahr

 

In Bordeaux muss sich jeder bei der Mairie registrieren lassen, der eine Wohnung ganz oder teilweise  an Touristen vermieten will. Er erhält dann eine 13stellige Nummer, die er auf allen Internetplattformen, aber auch auf Flyern u. ä. angeben muss.

 

Die Vermietung als Ferienwohnung muss von der Eigentümerversammlung genehmigt werden  (bzw. im réglement de coproprieté erlaubt sein) . Ist man selber Mieter, benötigt man die Zustimmung des Eigentümers. In diesem Fall darf man von den Touristen keine höhere Miete verlangen, als man selber zahlt.

 

Ist die Wohnung der Erstwohnsitz, kann sie nun ganz oder teilweise bis zu 120 Tage im Jahr an Touristen vermietet werden. Achtung: eine Wohnung, die mehr als 120 Tage im Jahr an Touristen vermietet wird, ist kein Erstwohnsitz mehr, sondern wird automatisch zum Zweitwohnsitz.

Vermietung des Zweitwohnsitzes

 

Für die Vermietung eines Zweitwohnsitzes gelten deutlich strengere Regeln.

 

In diesem Fall muss der Besitzer der Wohnung ein changement d'usage, also eine Nutzungsänderung beantragen: aus einem local d'habitation  (für Wohnzwecke) wird ein local professionnel (für gewerbliche Nutzung).

 

In der  Innenstadt von Bordeaux gilt außerdem das Prinzip der compensation: für jede derart in Gewerbefläche umgewandelte Wohnung muss gleichzeitig eine gleichwertige Gewerbefläche in Wohnraum umgewandelt werden. Was gleichwertig ist, entscheidet im Zweifelsfall die Stadtverwaltung.

 

Potentielle Investoren sollen so davon abgehalten werden, gleich ganze Häuser zu kaufen, um sie dann tageweise an Touristen zu vermieten. Ob diese Rechnung aufgeht, wird sich zeigen. 


Vergleichbare Vorschriften gelten bereits in Paris, andere Städte werden mit Sicherheit folgen. In Toulouse ist die Registrierung inzwischen verpflichtend. Bei Vermietung der Zweitwohnung muss eine Nutzungsänderung beantragt werden. Allerdings wird bislang noch nicht die oben beschriebene compensation gefordert.

 

Besitzer einer Ferienwohnung in Frankreich sollten sich deshalb ganz genau über die in ihrer Kommune geltenden Vorschriften informieren. Ganz besonders gilt dies für jeden, der plant, eine Ferienwohnung als Geldanlage zu erwerben.

 

 

Die Strafen können empfindlich sein!

Dieser Artikel fasst die Regeln zusammen, die z. B. auf der staatlichen Seite www.service-public.fr zu finden sind. Er stellt keine Rechtsberatung dar!

 

Andere finanzielle Verpflichtungen kommen hinzu: z. B. Taxe de sejour, Einkommensteuer, evtl. Sozialabgaben. Für den Betrieb von Gîtes und Chambres d'hôtes gelten weitere Vorschriften.

 

Stand 25.02.2019