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La TVA pour les Nuls - 2. Elektronische Dienstleistungen

Im zweiten Artikel zum Thema TVA in der EU stelle ich die Regelungen vor, die für Telekommunikations-, Rundfunk- und elektronische Dienstleistungen gelten.

 

Grundsätzlich gilt bei jedem  Geschäft über EU-Grenzen hinweg: die Mehrwert- bzw. Umsatzsteuer (frz. TVA) wird immer in dem Land fällig, in dem der Kunde seinen Wohn- oder Firmensitz hat. 

 

Ein französischerMicroentrepreneur, der ein E-Book oder einen Online-Sprachkurs zum Download an einen Kunden in Deutschland verkauft, müsste im Prinzip die deutsche Mehrwertsteuer in Deutschland entrichten.

 

Ein Microentrepreneur müsste also in jedem Land, in dem er Kunden hat, beim Finanzamt registriert sein, um die Mehrwertsteuer abzuführen. Da dies schwer umzusetzen ist, hat die EU einige Vereinfachungen eingeführt.

 

Privatkunden: Umsatzgrenze 10.000 €

 

Seit Anfang 2019 gibt es eine Bagatellgrenze von 10.000 € Umsatz bei Verkäufen an Privatkunden: solange ein Unternehmer diese Grenze im laufenden und im vergangenen Jahr nicht überschritten hat, darf er wählen, in welchem Land er die Mehrwertsteuer entrichten will.

 

Ein französischer Microentrepreneur, der von der Mehrwertsteuer befreit ist, sollte sich für Frankreich entscheiden. Die Befreiung von der Mehrwertsteuer gilt in diesem Fall auch für Geschäfte mit Deutschland oder anderen EU-Ländern.  Die Rechnung wird ohne Mehrwertsteuer ausgestellt.

 

Privatkunden: Überschreitung der Umsatzgrenze - MOSS

 

Komplizierter wird es, sobald die Grenze von 10.000 € überschritten oder der Microentrepreneur in Frankreich mehrwertsteuerpflichtig ist: dann wird die Mehrwertsteuer im Land des Privatkunden fällig.

 

Auch dafür hat sich die EU etwas einfallen lassen:  den sogenannten MOSS (Mini One Stop Shop).

 

Statt in jedem einzelnen Land meldet sich der Microentrepreneur auf der MOSS-Plattform an und zahlt dort die im anderen EU-Land anfallende Mehrwertsteuer zu dem dort geltenden Satz. Auf der Rechnung wird der Mehrwertsteuersatz ausgewiesen, der im Land des Kunden gilt.

 

Firmenkunden: Reverse-Charge-Verfahren

 

Bei Geschäften mit Firmenkunden, die in ihrem Land mehrwertsteuerpflichtig sind, gelten weder die Bagatellgrenze noch das vereinfachte Verfahren MOSS. In diesem Fall wird die Mehrwertsteuer dort fällig, wo der Kunde seinen Firmensitz hat. 

 

Um auch hier wieder zu vermeiden, dass sich ein Unternehmer in anderen EU-Ländern bei der Finanzbehörde anmelden und dort Steuern zahlen muss, wurde das sogenannte Reverse-Charge-Verfahren eingeführt.

 

Der französische Microentrepreneur stellt die Rechnung ohne Mehrwertsteuer aus, vermerkt aber "autoliquidation TVA" bzw. "Reverse-Charge-Verfahren". In Frankreich gibt er eine Déclaration européenne de services ab. Und zwar auch dann, wenn er in Frankreich nicht mehrwertsteuerpflichtig ist!

 

Die Steuerschuld geht so auf den Kunden über, der die in seinem Land fällige Mehrwertsteuer bei seiner Finanzbehörde deklarieren und zahlen muss. 

 

Das Verfahren habe ich hier schon für andere Dienstleistungen vorgestellt.

 

Kunden außerhalb der EU

 

Für Geschäfte mit außereuropäischen Kunden gelten jeweils länderspezifische Regeln.

 

Was ist zu tun?

  • Feststellen, ob die Dienstleistung/das Angebot tatsächlich eine Telekommunikations-, Rundfunk- oder elektronische Leistung ist  und den Ort der Dienstleistung festlegen : die EU hat dazu eine 102-seitige Erklärung der EU-Richtlinie (hier) herausgegeben.
  • Ist der Kunde Privatkunde oder Firmenkunde? Werden z. B. E-Books über Reseller wie Amazon verkauft, ist Amazon der Kunde, es gelten also die Regeln für Firmenkunden.
  • Firmenkunden: beim französischen Finanzamt eine TVA Intracommunitaire beantragen (mehr lesen)
  • Für die Déclaration européenne de services anmelden (mehr lesen)
  • Privatkunden: falls Euer Umsatz mit EU-Ländern 10.000 € überschreitet, Anmeldung auf der MOSS-Plattform

 

 

Quellen und weiterführende Informationen (Stand 27.07.2019):

 

https://europa.eu/youreurope/business/index_de.htm

 

Erklärung der EU-Richtlinie zu Telekommunikations-, Rundfunk- und elektronischen Dienstleistungen (hier)

 

Eine Broschüre mit Informationen der EU zum Thema MOSS gibt es  hier (Achtung, diese Broschüre berücksichtigt die Änderung zur 10.000 €-Grenze ab 2019 noch nicht!)

 

Dieser Artikel stellt nur eine kurze Einführung in das Thema dar und ist keine Rechtsberatung.  Wer Geschäfte mit Kunden aus anderen EU-Länder macht, sollte sich vorher ausführlich über die in seinem Fall geltenden Mehrwertsteuer-Regelungen informieren.  Für weitere Informationen bitte einen Steuerberater oder das Finanzamt kontaktieren! 

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